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Ausgabe vom Donnerstag, 11. Dezember 2003

Stolz funkelt der vergoldete Hahn

von jochen brandt

renovierung Die Kirche in Upleward hat einen neuen Dachreiter bekommen

Mehr als 30 Jahre lang stand das Gotteshaus ohne Türmchen da. Rund 35 000 Euro hat die Rekonstruktion des Originals gekostet.

upleward - „Ding!“ Ein Handwerker, der das Stützgerüst abbaut und die Tragegurte des Krans befestigt, ist an die kleine Glocke gekommen. Ein wenig schüchtern klingt sie, aber immerhin: Sie läutet. Eigentlich ist sie aber noch gar nicht an der Reihe. Schließlich steht der neue Dachreiter der evangelisch-reformierten Kirche in Upleward noch am Boden. Der Mann dreht sich, wieder bimmelt es. Grinsende Kollegen: der Glöckner von Upleward.

Pastor Rolf Wegmann steht nur ein paar Schritte entfernt. Vor seiner Brust baumelt ein massiger Fotoapparat. Die Mütze hat er weit über die Ohren gezogen. Es ist kalt in der Krummhörn. Winterwetter wie aus dem Bilderbuch.

„Genau richtig für diesen Tag“, raunt einer der vielen Uplewarder, die sich gestern Vormittag rund um die Kirche versammeln und ihre Köpfe in die Nacken legen. Lange mussten die 340 Gemeindeglieder auf den neuen Dachreiter warten. Seit 1972 hat ihre Kirche keine Spitze mehr. Jetzt sind´s nur noch ein paar Minuten und die Zeit des Wartens ist vorbei.

Die Gurte werden straff, das Türmchen beginnt zu schweben. Ein Raketenstart in Zeitlupe. Schwerelos wirkt der Dachreiter in diesem Augenblick : obwohl er rund eine Tonne wiegt. Stolz funkelt der vergoldete Hahn auf der Spitze im Sonnenlicht. Gleich hat er wieder den Überblick : so wie er´s seit 1750 gewohnt ist.

„Der alte Dachreiter musste vor über 30 Jahren abgenommen werden“, sagt Pastor Wegmann. „Die Balken aus Fichtenholz waren verrottet, obwohl sie erst 1953 eingebaut worden waren“. Die kleine Kirche stand lange „oben ohne“ da.

„Es hat Jahre gedauert, die Mittel für das Projekt zusammen zu bekommen“, sagt Wegmann. „Viele Leute aus dem Dorf haben gespendet.“ Geld kam aber auch von der reformierten Kirche, von der Klosterkammer Hannover und von dem gebürtigen Uplewarder David Folkerts-Landau, der heute in London lebt. „Etwa 35 000 Euro hat die Rekonstruktion des Türmchens verschlungen“, sagt der Pastor und blinzelt zufrieden nach oben. Der Dachreiter ist an seinem Platz angekommen. Handwerker befestigen die Eichenstützen unterm Kirchendach.

Auch Enjar Tonndorf macht einen zufriedenen Eindruck. Der Oldenburger Architekt hat das Türmchen anhand alter Bilder rekonstruiert. Die Stützbalken und der Helm sind mit Blei ummantelt, um sie vor der Witterung zu schützen. Schließlich wollen die Uplewarder ein bisschen länger was von ihrem neuen Türmchen haben.

Und die Glocke? Sie schweigt. Vielleicht ist es die Höhenangst oder das Lampenfieber vorm ersten offiziellen Auftritt. In Zukunft soll sie nämlich zu jeder vollen Stunde „Ding!“ machen. "
„Es hat Jahre gedauert, die Mittel zu bekommen“ "
Rolf Wegmann


Donnerstag, 11. Dezember 2003

Dachreiter zeigt wieder die Mitte des Dorfes

Gestern wurde Türmchen auf Uplewards Kirche aufgesetzt.

von GÜNTHER GERHARD MEYER

Vermisst hatte man ihn all die Jahre irgendwie schon, seit gestern thront der Dachreiter wieder auf dem Uplewarder Kirchendach. Mehr als 30 Jahre dauerte es, die reformierte Kirche endlich wieder mit dem kleinen Türmchen zu bekrönen. "Jetzt ist unsere Kirche wieder komplett", freute sich Pastor Rolf Wegmann.
Möglich wurde der Aufbau durch Baubeihilfen von der reformierte Kirche, einem Zuschuss der Klosterkammer Hannover, vielen Spenden aus dem Dorf und mit großer finanzieller Unterstützung durch David Ihno Fokke Folkerts-Landau, dem gebürtigen Uplewarder, der zur Zeit in Nachbarschaft der Kirche sein Haus bauen lässt. Wegmann: "Nun kann man die Kirche bereits von weitem in der Mitte des historischen Warfendorfes Upleward entdecken."

Völlig verrottet
Wie es zum Abbau des alten Dachreiters in Upleward kam, erfuhr Wegmann, der vor 20 Jahren als Vikar in der Kirchengemeinde anfing, von den älteren Gemeindegliedern. 1953 habe der alte Dachreiter von Upleward neue Stützen bekommen, die völlig verrottet waren. Wilke de Vries und Take van Schwarzenberg hatten damals die Arbeiten durchgeführt. "Leider wurden damals keine Eichenbalken, sondern Fichtenholz genommen, das über längere Zeit der Witterung hier an der Küste nicht standhalten konnte", hörte Wegmann. 1955 wurden erneut Arbeiten am Dachreiter durch die Firma Friedrich Zwingmann aus Emden durchgeführt.
Als 1962 die Sturmflut gegen Ostfrieslands Küste brandete, erlitt auch der Dachreiter einen Sturmschaden. Der Wetterhahn war heruntergefallen; die Verankerung des schmiedeeisernen Kreuzes beschädigt. Daraufhin wurde das Kreuz nach den Maßen des alten Kreuzes erneuert, der Hahn vergoldet.

Abmontiert
Ende der sechziger Jahre stellte man schließlich fest, dass auch die hölzernen Stützen aus Fichtenholz schon wieder so stark verrottet waren, dass 1972 der gesamte Dachreiter abgenommen werden musste.
Das gestern montierte Türmchen wurde anhand des Vorgängers von dem Diplom-Ingenieur Ejnar Tonndorf aus Oldenburg rekonstruiert, der diese Arbeiten im Auftrag der Kirche durchführte. "Unser Glück war, dass der alte Dachreiter noch erhalten war. Sonst hätte das Landeskirchenamt das Projekt wohl nicht bewilligt."
Aufgebaut ist der Dachreiter auf zwei Stützen aus Eichenholz, die zum Schutz vor Wind und Wetter mit Blei ummantelt sind. Der Helm des Dachreiters ist achteckig. Ganz oben ist ein schmiedeeisernes Kreuz, deren Spitzen Lilien nachempfunden sind. Auf dem Kreuz befindet sich ein vergoldeter Hahn von 1750.

Stundenglocke
In dem Dachreiter hängt die Stundenglocke, die durch einen mechanischen Hammer bei jeder vollen Stunde entsprechend angeschlagen wird. Bei dieser Glocke handelt es sich um eine Schiffsglocke aus Stahl, die die Kirchengemeinde laut Kirchenratsprotokoll vom 23. Februar 1954 in jenem Jahr bestellt hat. Die Glocke soll aus Bremen stammen.
Die Vorgängerglocke stammte noch aus dem Jahr 1857. Sie wog 105,5 kg, maß 50 Zentimeter im Durchmesser und war aus Bronze gegossen. "Diese Glocke wurde am 26. Januar 1942 auf Drängen des Deutschen Reiches abgeliefert", berichten die Kirchenbücher. Ein Kelch, der an der großen Turmglocke aus dem Jahr 1752 vorbei ging. Auch sie wurde im Krieg ausgebaut und zum Abtransport am Friedhof bereit gestellt - aber nie abgeholt. "Wahrscheinlich war sie zu schwer und konnte deshalb später im Turm wieder aufgehängt werden."

 

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